Donnerstag, 03.03.2011
Kultur Lokal

Tango in all seinen Facetten

Von unserem Mitarbeiter Bern Heiden



Dreh- und Angelpunkt dieser Kooperation des Tangosextetts mit dem Modern-Dance-Quartett ist die Böblinger Musik- und Kunstschule. Hier hatte einst Aron Weigl, Gitarrist von faux pas, beim heutigen Schulleiter Peter Merz Unterricht. Und hier unterrichtet Monika Heber-Knobloch den Nachwuchs in Modern-Dance. Aus diesem Pool ging Andas, im Feierraum vertreten durch Alicia Wenzel, Francesca Zeh, Johanna Seidler und Tina Claussner hervor.

Auf der kleinen, zur Hälfte vom Orchester besetzten Bühne offenbarte schon der erste Duo-Auftritt der Tänzerinnen, dass hier Heber-Knoblochs bester Tanznachwuchs versammelt ist. Schade, dass sich bei 18 Tangonummern Andas nur zu einem Duo und zwei Quartetten auf der Bühne zeigte.

Mit anmutigen, Tango-Tanz sparsam zitierenden Auftritten setzte die Formation bereichernde Farbtupfer. Klassisch daherkommende Modern-Dance Choreographien zwischen Abstraktion und Handlungsandeutungen übersetzten und deuteten den Möglichkeitsraum von Tango im Tanz zwischen Liebe und Eifersucht, Narzissmus und Nähe, Bewerben und Verstoßen, Leidenschaft und stiller Melancholie.

Auch wenn sich Andas an diesem Abend rar machte, das Tangosextett faux pas auf sich gestellt bot Tango auf gutem Niveau, vor allem aber in vielfältigsten Facetten. Die seit 1998 bestehende Formation ohne brillante, aber mit durchweg versierten Instrumentalisten besetzte, ausgezeichnet eingespielte Gruppe servierte komplexe, von traditionell bis zur Moderne durchschreitende Formen wie das selten aufgeführte „Contrabajissimo“ von Astor Piazzolla ebenso wie Tangourmuster mit der schnellen „Milonga de mis amores“ von Pedro Laurenz. Tango im Walzertakt fehlte dabei ebenso wenig wie Klassiker à la „El choclo“ oder Kostproben von Tangoheroen wie Carlos Gardel.

Diesen weiten Tangokosmos abzuschreiten vermag faux pas freilich nur, weil die Gruppe nicht wie bei den weitverbreiteten Piazzolla-Abenden aufs Instrumentale beschränkt ist. Mit einem ausdrucksstarken Vokalist Michael Fänger hat faux pas den Mann am Mikro, der einen in die faszinierende, in Buenos Aires geborene und verwurzelte Tangowelt zu entführen versteht – selbst wenn an diesem Abend im Feierraum die Musikabstimmung sicherlich nicht immer ihr Optimum erreichte mit einem wie abgestopft klingenden Klavier, einer vor allem zur ersten Konzerthälfte oft kaum wahrnehmbaren Gitarre und einem Gesangslautsprecher, der in den Tiefen schon an seine Kapazitätsgrenzen geriet.